Matomo statt Google Analytics, Plausible und Umami – wann eine eigene Analytik mehr Sinn ergibt

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Matomo statt Google Analytics, Plausible und Umami – wann eine eigene Analytik mehr Sinn ergibt

Webanalyse galt jahrelang als etwas Selbstverständliches: Google Analytics einrichten, den Tracking-Code einfügen, fertig. Das Problem ist, dass dieser Ansatz heute immer häufiger nicht mehr ausreicht. Unternehmen wollen mehr über ihre Nutzer wissen, müssen zugleich aber Datenschutz, DSGVO-Konformität, die Kontrolle über die Daten und die technische Sicherheit der gesamten Lösung ernst nehmen.

Deshalb stellt sich immer öfter die Frage: Lohnt es sich weiterhin, ausschließlich auf Google Analytics zu setzen, oder ist es besser, eine eigene Analyse auf einem kontrollierten Server einzuführen? An dieser Stelle kommen drei populäre Open-Source-Lösungen ins Spiel: Umami, Plausible und Matomo. Jede von ihnen ergibt Sinn, aber nicht in jedem Szenario. Wenn wir über eine Unternehmensseite, einen Online-Shop, ein Portal mit organischem Traffic, bezahlte Kampagnen, Kontaktformulare und den Bedarf an Reporting sprechen, führt die Wahl immer häufiger zu Matomo.

Nicht, weil Matomo am einfachsten wäre. Ist es nicht. Nicht, weil es am leichtgewichtigsten wäre. Auch das nicht. Matomo gewinnt dann, wenn Analytik als Teil der Geschäftsinfrastruktur behandelt werden soll und nicht nur als einfache Besucherkurve.

Was erwarten wir wirklich von der Analytik?

Vor der Wahl eines Werkzeugs muss man ehrlich beantworten, was man eigentlich messen will. Für eine einfache private Seite reicht die Information, wie viele Personen die Seite besucht haben, aus welchen Ländern sie kamen und welche Unterseiten am häufigsten aufgerufen wurden. In diesem Fall können Umami oder Plausible eine sehr gute Wahl sein. Sie sind leichtgewichtig, einfach, schnell und versuchen nicht, ein umfangreiches Marketingsystem zu sein.

In einem Unternehmen sieht die Lage anders aus. Die reine Besuchszahl reicht nicht. Benötigt werden Daten zu Traffic-Quellen, Conversions, Kampagnen, Nutzerverhalten, Wirksamkeit von Formularen, Klickpfaden, Geräten, Zielgruppensegmenten und Veränderungen im Zeitverlauf. Dazu kommt der Bedarf an Integrationen mit dem CMS, dem Shop, Werbekampagnen, Tags, Zielen und Berichten für nichttechnische Personen.

Hier zeigt Matomo seinen Vorsprung. Es ist umfangreicher als Umami und Plausible, doch genau diese Ausbaustufe macht es für den Unternehmenseinsatz geeigneter. In der Praxis kommt Matomo einem klassischen Webanalyse-System näher, während Umami und Plausible eher leichtgewichtige, datenschutzfreundliche Alternativen für das grundlegende Traffic-Monitoring sind.

Matomo ist nicht die einfachste Lösung – und das muss man klar sagen

Matomo hat eine höhere Einstiegshürde. Die Einführung erfordert einen Server, eine Datenbank, die Konfiguration der Anwendung, die Absicherung des Panels, Backups, Updates, Monitoring und die korrekte Einbindung des Tracking-Codes auf der Website. Technisch handelt es sich um eine PHP-Anwendung, die MySQL oder MariaDB nutzt, sie passt also natürlich zu der Infrastruktur, die man von WordPress, WooCommerce und vielen klassischen Websystemen kennt.

Das ist keine Lösung, die man zufällig und ohne Wartungsplan starten sollte. Ein schlecht eingeführtes Matomo wird zu einem weiteren Panel, in das niemand hineinschaut, oder zu einem Dienst, der nach einigen Monaten nicht mehr aktualisiert wird. Ein gut eingeführtes Matomo wird dagegen zum eigenen Analysezentrum des Unternehmens.

Und das ist der entscheidende Unterschied. Matomo sollte nicht ausschließlich nach der Einfachheit der Installation beurteilt werden. Man muss den gesamten Lebenszyklus betrachten: Konfiguration, Datenschutz, Sicherheit, Integration, Reporting, Datenmigration, Wartung, Monitoring und Ausbaufähigkeit.

Warum nicht einfach Google Analytics?

Google Analytics ist bekannt, in der Basisvariante kostenlos und bei Marketingfachleuten weit verbreitet. Es ist nach wie vor ein starkes Werkzeug, hat aber auch Einschränkungen, die für viele Unternehmen immer problematischer werden.

Das erste Problem ist die Kontrolle über die Daten. In Google Analytics werden die Daten im Ökosystem eines externen Anbieters verarbeitet. Für einen Teil der Unternehmen ist das akzeptabel, für andere – insbesondere in regulierten Branchen, im B2B, im Gesundheits- und Bildungswesen, im öffentlichen Sektor oder bei europäischen, aus öffentlichen Mitteln finanzierten Projekten – kann es ein erhebliches organisatorisches und rechtliches Risiko darstellen.

Das zweite Problem ist die Privatsphäre der Nutzer. Immer mehr Menschen blockieren Analyse-Skripte, nutzen Browser, die Tracking einschränken, oder lehnen Cookie-Einwilligungen bewusst ab. Dadurch können die Daten der klassischen Analytik unvollständig sein. Es geht nicht darum, dass Matomo alle Messprobleme auf magische Weise löst. Es geht darum, dass es mehr Kontrolle über die Art der Datenerhebung, die Aufbewahrungsdauer, die Anonymisierung, die Cookie-Konfiguration und den Speicherort der Informationen gibt.

Das dritte Problem ist die Abhängigkeit von einer einzigen Plattform. Wenn die Analytik für Vertrieb, SEO, Kampagnen und Produktentwicklung kritisch ist, lohnt sich eine Alternative, die man technisch kontrollieren kann. Matomo kann als Hauptanalysesystem oder als paralleles, von Google Analytics unabhängiges Datenquellensystem arbeiten.

Matomo, Umami und Plausible – verschiedene Werkzeuge für verschiedene Aufgaben

Umami ist sehr attraktiv, wenn Einfachheit, geringer Overhead und eine schnelle Einführung im Vordergrund stehen. Es bewährt sich auf kleineren Websites, Blogs, privaten Projekten und überall dort, wo grundlegende Traffic-Informationen genügen. Plausible ist ähnlich leichtgewichtig, hat eine ausgefeilte Oberfläche und deckt die Bedürfnisse einer einfacheren, datenschutzfreundlichen Analytik ebenfalls gut ab.

Matomo geht einen anderen Weg. Es ist schwerer, umfangreicher und erfordert mehr Arbeit bei der Einführung. Dafür bietet es mehr Funktionen. Das ist besonders dann wichtig, wenn ein Unternehmen nicht nur Besuchsstatistiken braucht, sondern auch Ziele, Ereignisse, Kampagnen, den Datenimport aus Google Analytics, Berichte, Integrationen mit gängigen CMS-Systemen, Ausbaumöglichkeiten sowie eine detailliertere Kontrolle darüber, was und wie gemessen wird.

Die Wahl von Matomo ist also nicht die Wahl des „einfachsten“ Werkzeugs. Es ist die Wahl des vollständigeren Werkzeugs. Wer ausschließlich einen leichtgewichtigen Zähler braucht, für den kann Matomo übertrieben sein. Soll die Analytik jedoch Geschäftsentscheidungen, SEO-Maßnahmen, die Entwicklung des E-Commerce und die Bewertung der Kampagnenwirkung unterstützen, bietet Matomo deutlich mehr funktionalen Spielraum.

Der größte Vorteil von Matomo: Eigentum an den Daten und Kontrolle

Das wichtigste Argument für Matomo ist das Eigentum an den Daten. Im Self-hosted-Modell bleiben die Daten auf einem Server, den das Unternehmen bestimmt und kontrolliert. Sie können festlegen, wo die Infrastruktur steht, wie lange Daten gespeichert werden, wer Zugang zum Panel hat, wie das Backup funktioniert und welche Sicherheitsmechanismen aktiviert sind.

Das hat nicht nur rechtliche, sondern auch operative Bedeutung. Analysedaten sind Teil des Wissens über das eigene Unternehmen. Sie zeigen, woher die Kunden kommen, welche Produkte oder Leistungen sie am meisten interessieren, welche Kampagnen funktionieren, wo Nutzer abspringen und welche Inhalte den Vertrieb unterstützen. Die vollständige Kontrolle über diesen Bereich einer externen Plattform zu überlassen, ist nicht immer die beste Entscheidung.

Matomo erlaubt es, die Analytik als Teil der eigenen Infrastruktur aufzubauen. Man kann sie auf einem VPS hosten, über einen Reverse Proxy absichern, den administrativen Zugang einschränken, Sicherungskopien ergänzen, Ressourcen überwachen und sie in den üblichen Wartungsprozess der Anwendungen einbinden. Für ein technisch bewusstes Unternehmen ist das ein weitaus gesünderes Modell als ein zufällig konfiguriertes Werkzeug, über das niemand wirklich die Kontrolle hat.

Datenschutz und DSGVO: ein Vorteil, aber kein automatischer

Rund um Matomo fällt oft das Schlagwort „DSGVO-konforme Analytik“. Man sollte jedoch aufpassen, das nicht als magische Garantie zu verstehen. Allein die Wahl von Matomo bedeutet nicht automatisch, dass die gesamte Konfiguration rechtskonform ist. Entscheidend ist die Art der Umsetzung.

Sie müssen die Anonymisierung von IP-Adressen, die Aufbewahrungsdauer, Cookies, Opt-out-Mechanismen, den Umfang der erhobenen Informationen, die Nutzerzugänge und die Datenschutzerklärung bewusst einstellen. In vielen Fällen lässt sich Matomo datenschutzfreundlicher konfigurieren als klassische Lösungen, die auf externen Werbeplattformen beruhen, doch das setzt eine korrekte Konfiguration voraus.

Das ist ein wichtiger Punkt: Der Vorteil von Matomo ergibt sich aus der Kontrolle. Kontrolle ist nur dann ein Wert, wenn jemand sie auch zu nutzen weiß. Die Einführung sollte deshalb nicht nur die Installation des Panels umfassen, sondern auch die Konfiguration von Datenschutz, Sicherheit, Sicherungskopien und Dokumentation für den Websitebetreiber.

Datenimport aus Google Analytics

Für Unternehmen, die seit Jahren Google Analytics nutzen, kann die Migration zu einem anderen Werkzeug Bedenken wecken. Die häufigste Frage lautet: Verlieren wir die Datenhistorie?

Matomo sieht die Möglichkeit vor, Daten aus Google Analytics zu importieren, was den Übergang zur eigenen Analytik sanfter macht. Das ist besonders dort wichtig, wo historische Daten für saisonale Vergleiche, SEO-Reporting oder die Bewertung von Kampagneneffekten dienen. Die Migration sollte nicht „aus dem Bauch heraus“ erfolgen. Zuerst muss geklärt werden, welche Daten gebraucht werden, welcher Umfang an Historie sinnvoll ist, was nach der Migration berichtet wird und ob Matomo während einer Übergangszeit parallel zu Google Analytics laufen soll.

Eine gut geplante Migration verringert das Risiko von Chaos. Das Unternehmen kann schrittweise von einem Modell in Googles Abhängigkeit zu einem Modell wechseln, in dem die Analysedaten in einer kontrollierten Umgebung gespeichert und verarbeitet werden.

Matomo für WordPress, WooCommerce und Unternehmensseiten

Matomo passt gut zu den typischen Umgebungen, mit denen Unternehmen arbeiten: WordPress, WooCommerce, Dienstleistungsseiten, Landingpages, B2B-Portale, Webanwendungen und Systeme mit Kontaktformularen. Messen lassen sich nicht nur Seitenaufrufe, sondern auch konkrete Nutzeraktionen: das Absenden eines Formulars, der Klick auf eine Telefonnummer, der Wechsel in den Warenkorb, der Beginn des Checkouts, der Download einer Datei, der Klick auf ein CTA oder der Einstieg aus einer bestimmten Kampagne.

Das ist besonders in Projekten wichtig, in denen die Website keine Visitenkarte ist, sondern Teil des Vertriebsprozesses. Dann muss die Analytik praktische Fragen beantworten: Welche Traffic-Quellen erzeugen Anfragen, welche Unterseiten unterstützen die Conversion, wo springen Nutzer ab, welche Blog-Inhalte arbeiten für Leads, welche Kampagnen sind nur Kosten und welche liefern tatsächlich Ergebnisse.

Ohne eine solche Analytik werden Entscheidungen nach Gefühl getroffen. Matomo erlaubt es, sie auf Daten zu stützen, allerdings nur unter der Bedingung, dass die Einführung auf konkrete Geschäftsziele hin geplant und nicht auf das Einfügen eines einzigen Skripts reduziert wird.

Die Einführung von Matomo ist ein Projekt, nicht nur eine Installation

Der häufigste Fehler besteht darin, Matomo wie ein weiteres Plugin zu behandeln. Wir installieren es, klicken ein paar Optionen an, fügen den Code ein und betrachten das Thema als erledigt. Dieser Ansatz ist kurzsichtig.

Eine korrekte Einführung von Matomo sollte damit beginnen, festzulegen, was das Unternehmen messen möchte. Für einen Online-Shop konfiguriert man die Analytik anders als für eine Dienstleistungsseite, anders als für ein Content-Portal und noch einmal anders als für eine SaaS-Anwendung. Erst danach wählt man die Art des Hostings, die Struktur der Benutzerkonten, Ziele, Ereignisse, Kampagnen, die Aufbewahrungsdauer der Daten und die Berichte.

Dazu kommt die technische Ebene: Updates, Backups, Monitoring, Sicherheit des Panels, SSL-Zertifikat, Serverkonfiguration, Leistung der Datenbank und die Reaktion auf Störungen. Eine Analytik, die nach einem Update nicht mehr funktioniert oder wochenlang falsche Daten sammelt, ist schlechter als gar keine Analytik, weil sie ein falsches Gefühl von Kontrolle vermittelt.

Wann ist Matomo die beste Wahl?

Matomo lohnt sich, wenn ein Unternehmen echte Kontrolle über seine Daten haben will, mehr als einen einfachen Besucherzähler braucht, die Abhängigkeit von Google Analytics verringern möchte, in einem Umfeld arbeitet, in dem Datenschutz und Datenstandort eine Rolle spielen, oder eine auf die eigenen Vertriebs- und Marketingprozesse zugeschnittene Analytik benötigt.

Es ist nicht für jeden das ideale Werkzeug. Für einen kleinen Blog oder eine einfache Hobbyseite kann Matomo zu umfangreich sein. Für ein Unternehmen, das seine Website als Vertriebskanal, Leadquelle oder Teil der Marketinginfrastruktur betrachtet, ist genau dieser Umfang ein Vorteil.

Genau deshalb sollte die Wahl auf Matomo fallen: nicht als einfachste Alternative zu Google Analytics, sondern als bewussteres, kontrolliertes und langfristiges Fundament der Webanalyse.

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